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	<title>Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</title>
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	<description>Künstler aus Hilter a.T.W.</description>
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		<title>Metastruktur</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2022/04/19/widmung-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Apr 2022 10:16:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christoph Peter Seidel „METASTRUKTUR – MALEN ALS TATSACHE“ April 2022 I. SCHNITTSTELLEN – KONSTRUKTE Wer heute als Künstler:in das Kunststück fertigbringt, das eigene Werk exakt in der Schwebe zwischen Alt und Neu, zwischen Malen und Machen, zwischen illusionärer Kunst und konstruierter Form entstehen zu lassen, der besitzt ein Pfund, mit dem es sich nicht schlecht leben [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2022/04/19/widmung-2/">Metastruktur</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Christoph Peter Seidel <strong>„METASTRUKTUR – MALEN ALS TATSACHE“ </strong>April 2022</p>
<p><span id="more-4192"></span></p>
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<p><strong>I. SCHNITTSTELLEN – KONSTRUKTE </strong><br />
Wer heute als Künstler:in das Kunststück fertigbringt, das eigene Werk exakt in der Schwebe zwischen Alt und Neu, zwischen Malen und Machen, zwischen illusionärer Kunst und konstruierter Form entstehen zu lassen, der besitzt ein Pfund, mit dem es sich nicht schlecht leben lässt. Oder anders gesagt, mit der er/sie für sich Anschluss an die nächste, unmittelbare Gegenwart gefunden hat. Wer dabei genauer hinsieht, der wird bemerken, dass Christoph Peter Seidels Artefakte genau an den Schnittstellen von Gemachtem und Gemaltem, zwischen erinnertem Machen und Form gewordenen Prozessen von Veränderung entstehen. Mit anderen Worten: Wie auch die Romantiker*innen vor ihm hat der Künstler eine Vorliebe für Temporäres, etwas sich gerade, in der Gegenwart des Betrachtens, Vollziehendes.</p>
<p>Der glückliche Ausdruck „Malskulpteur”, den Dirk Manzke einmal für Christoph Peter Seidel gefunden hat, speist sich aus dessen langsamer, selbstkritischer Herstellungsweise, bei der sich aus beiden tradierten Gattungen im Grunde alte Fragestellungen neu herausgebildet haben. Seidels künstlerische Produktion bezieht ihre Inspirationen – zu diesen zählen namentlich solch singuläre Größen wie Jackson Pollock, On Kawara, Agnes Martin, Roman Opalka und Caspar David Friedrich – schon früh aus existenziell gesteigerten Fragen, die sich vor allem mit Funktionen und Dimensionen seines eigenen Machens auseinandersetzen. So etwa auch mit dem zeitlosen Problem der Moderne: Was ist und wie wird für mich als Produzent ein Bild zum Bild? Wie funktioniert (jetzt und hier) Farbe? Wie verändert sich (plötzlich) Farbe, wenn sie selbst als plastisches Material eingesetzt wird? Bezeichnenderweise handeln systemische Fragen dieser Art jeweils von Übergängen von einer Dimension in eine andere, möglicherweise noch unbekannte. Seidels Werke bilden in ihrer langen „Evolution” letztlich endlose Versuche eines ewigen Wandels von Farbformen in Raumlineaturen, um jeweils neue Anschlüsse an die Gegenwart zu finden. So melancholisch und selbstverloren, in sich kreisend seine Werke zunächst wirken, so lässt sich das Wahrnehmen ihrer Besonderheiten auch als Aktivierung des eigenen Blickes erfahren.</p>
<p>Fragen können ebenso wie Fiktionen plötzlich in neuartige Formen transformiert werden. Seidels Fragen an die Natur des Bildes beinhalten so etwas wie ein reflektierendes Machen, eine Realisierung von etwas, das sich als Form selbst erzeugt, sich dabei selbst trägt und sich als Prozess seiner späteren Wahrnehmung auch noch selbst verändert. CHRISTOPH PETER SEIDEL METASTRUKTUR In jahrelang andauernder und auch durchaus kunstskeptischer Auseinandersetzung hat sich Seidel vom einstigen Maler heute zum mit Farbe arbeitenden Konstrukteur von plastischen Artefakten entwickelt, also von zweckfrei- funktionalen Gebilden, bei denen das Auftragen von Farbschichten weitestgehend unabhängig von ihrem Trägermaterial angewandt und so zu einer Beobachtung von Kunstbeobachtung geworden ist. Seidels zeitaufwendiges, material-meditierendes Verwenden eines mit Glasfiberstücken versetzten Acrylfarbgemenges verwandelt seine frühe konzeptuelle Malerei auf einer bedeutungserzeugenden Oberfläche in ein sich rituell wiederholendes, plastisches Auftragen von dreidimensional wirkenden Farbschichten. Man könnte seine Gebilde auch als Meta–Konstrukte bezeichnen, die ihr aktuelles Gemachtwordensein formal kommentieren. Ein Werk ist ein Konstrukt, in das seine eigene Fragen eingebaut sind &#8230;</p>
<p>Die alte, ewig aktuelle und zutiefst romantische Frage lautet heute: Wie erzeugt und transformiert ein Bild seine Bedeutung als Bild, verwandelt Seidel seinerseits in eine materielle, sich selbst tragende Behauptung: Was man hier sieht, ist nichts als ein wiederkehrend serielles, „minimales”, Bedeutung produzierendes Raster, das so gut wie möglich seine individuelle Expressivität zugunsten seiner Verwandlung reduziert hat – ein grau-dunkles quadratisches Formengebilde, das nur nach längerem Hinsehen kaum wahrnehmbare Unregelmäßigkeiten preisgibt. Eine noch aus der Frühzeit des Künstlers stammende Frage – wie verhalten sich ausdrucksneutrale Rasterstrukturen zu den potenziell Kunst erzeugenden expressiven Oberflächen? Hat sich in „o.T. 2021” plötzlich in einer Weise verdichtet, in der alle Fragen an die Kunst in einer sich selbst erzeugenden Evidenz zu Form geronnen sind. Bezeichnenderweise eine Form, die weder Malerei noch Skulptur, weder Expression noch Negation sein will oder sein kann.</p>
<p>Das Problem des Meta-Machens, an dem Christoph Peter Seidel arbeitet, entsteht vor allem in und aus dem Moment, in dem ein Begriff aus der Welt des Zweidimensionalen (ein Bild) in eine Dimension des Dreidimensionalen verwandelt wird – dies jedoch in einer paradoxen Weise einer wechselseitigen Durchdringung. Diese Gleichzeitigkeit von zwei Dimensionen des Machens ist dabei nicht nur ein Problem des Künstlers, sondern vor allem auch ein Akt des Rezipienten – jemand, der seinerseits mittels Sprache realisiert, wie ein doppeltes Reflektieren einen fiktiven Raum mit einer zeitlichen Dimension (eines Machens) kombiniert.</p>
<p><strong>II. KUNST EXPLIZIT MACHEN – DIMENSIONSGEWINNE </strong><br />
Alles, was heute aussieht, als würde es als autonomes Werk daherkommen, ist darauf angewiesen, dass es von einem fremden Gegenüber in Sprache übersetzt, explizit gemacht und so in Gegenwärtigkeit verwandelt wird. Sprache, das zentrale Medium des Betrachters, bewegt sich gegenüber dem Sichtbaren, dem Material des Künstlers, in einer interessierten Distanz. Ein Kunstwerk betrachten heißt heute: mit einem lebendigen Gegenüber, einem lebenden Werk, zu kalkulieren und in einen Austausch zu treten – so grau und gerastert, so verschlossen und still es in Seidels Arbeit einem auch zunächst erscheinen mag. Auch hier, in diesem kommentierenden Text zum gemachten Werk, geht es um einen eigenständigen Dimensionsgewinn: Ein Kommentar zu einem Werk erschafft eine zusätzliche Dimension aus Sprache; ein zum Sichtbaren hinzugekommener Kommentar formulierte eine zusätzliche, explizit gemachte Dimension einer ästhetischen Erkenntnis.</p>
<p>Was nämlich beides, die Dimensionen der Sprache und des Sichtbaren, voneinander unterscheidet und gleichzeitig aufeinander bezieht, ist die Resonanz und Sensibilität, mit der sich beide ihrem jeweils anderen Medium geben über deren realisierte Annäherung. Damit nähern wir uns bereits einem nicht unwichtigen Aspekt in Christoph Peter Seidels Werk an. Je mehr dieses, sein hermetisches Werk uns reizt und geradezu auffordert, mit Mitteln der Sprache, meiner Sprache, in Sprache übersetzt zu werden, desto eher riskiert diese Annäherung eine sensible Form von Nähe, auch und besonders die Werke Seidels sind heute in Form übersetzte Risiken – sie handeln vom sich vorsichtig verhaltenden Annähern. Die frühere Idee des autonomen Werks hat sich heute, nach der Geburt von so vielen Ismen und Stilgattungen, in eine Kunst des Annäherns verwandelt. Werke sind heute vielfach heteronom, durchzogen von Erinnerungen an Nichtgelingendes, Widerständiges und Unverfügbares. Gerade heutige Werke können in dieser, ihrer hehren, scheinbar leicht zu übersehenden Nicht- Spektakularität etwas hörbar machen, was zunächst nur für sich steht und gesehen werden will. Es scheint, als würde Seidels aktuelles Werk in seiner spröden Nichtaktualität sich gewissermaßen innerlich gegen jede neue, künstlich herbeigeführte Verfügbarkeit von außen sperren wollen – obwohl es sich demonstrativ in den Innenraum, die Sprache seiner Betrachtenden, hineinbewegt.</p>
<p><strong>III. ZWISCHEN WUNDERBLUME UND SELBSTBEZOGENHEIT </strong><br />
Kunst ist nicht in jedem Moment dafür gemacht, um als Kunstwerk verehrt, bewundert oder wie in einer Top-Ten-Liste ständig aktuell verglichen zu werden. In seltenen Augenblicken lebt Kunst in der Verkörperung eines Werks in Momenten eines bewusst gemachten oder gewordenen Innehaltens. Gerade auch für Christoph Peter Seidel gilt: Werke besitzen in und mit ihrem Kunstanspruch – spätestens seit der Romantik – die wunderbare Eigenschaft, in bestimmten Momenten zu einem Anteil einer Biografie zwischen Leben und Werk zu werden.</p>
<p>Wer sich als Betrachtender zwischen zwei Polen (hier zwischen Malen und Machen) bewegt, der reagiert normalerweise irritiert: Weder ist dieses Werk eine dreidimensionale Skulptur noch eine in die Tiefe des Lebens hinein gebaute Malerei. Seidels Werk entlastet uns von zu genauer Kategorisierung und provoziert gleichzeitig unser visuelles Neugierverhalten. Sein Werk tut so als ob: als wäre es ihm einerlei, ob es als Kunst oder als Nichtkunst bewertet würde. In jedem Fall besteht Seidel aber darauf, dass es einer gewissen Anstrengung bedarf, um sich ein Bild dessen zu machen, was da gerade vor ihm entstanden ist und weiter entsteht.</p>
<p>Seidels Kunst repräsentiert ein angewandtes Erkunden von Grenzphänomenen – einen Modus einer sich selbst anwendenden Kunst, die ihr eigenes Problemlösungspotenzial besitzt. Seine Malerei verkörpert ein erweitertes Medium, das bislang kaum weder mit Verwandlungen in räumliche Dimensionen noch mit seiner Angewiesenheit auf sprachliche Differenzierungen experimentierte.</p>
<p>Seidels Arbeit „o.T. 2021” deutet an, dass ihm diese Dimensionsgewinne gelungen sind. Vor allem diese jüngste Arbeit offenbart nichts, jedenfalls nichts vordergründig Spektakuläres – wohl aber den Zwang, den sein jeweiliges Gegenüber verspürt, das eigene Beobachten anders zu beobachten, mit dem Werk in ein tieferes Gespräch zu kommen; vielleicht handelt es sich ja bei Seidels Werk um eine sublime Form von Dimensionierung, eine zeitgenössische Erhabenheit von widersprüchlichen Kräften, die im Werk und in der Annäherung an dieses offenbar werden. Seidels Werke wollen – anders als die alte, stille und einsame Versenkung eines Betrachtenden in das Bild – gemeinsam besprochen, gemeinsam im gegenseitigen Austausch zwischen allen Beteiligten verhandelt werden. In seinen Werken herrscht eine kaum bewusst wahrnehmbare Spannung zwischen einer zeitgenössischen Tendenz zur abstrahierenden Form und einem fast überzeitlichen Wunsch, sich wenn möglich von allen Vorgaben und Traditionen der Gegenwart fernzuhalten. Dass Künstler:innen in der Moderne als „Hofnarren der Gesellschaft” (Eva Menasse) verehrt und verpönt waren – diese polemische Einschätzung würde Seidel wohl nie teilen. Ganz im Gegenteil: „Mein Hauptanliegen ist, eine mir entsprechende Aktualität zu leben” (Jean Cocteau, 1947) – diese ebenso zeitlose wie zeitbedingte Wertschätzung des Eigenen mag Christoph Peter Seidel für sich und damit für die Kunst entdeckt haben.</p>
<p>Fotos<br />
Lukas Huneke</p>
<p>Text<br />
Michael Kröger</p>
<p>Abbildung<br />
„o. T. 2021“ Acryl + Aluminium Format 100 X 100 X 8 cm</p>
</div>
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		<title>Widmung</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2020/06/30/widmung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2020 11:12:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christoph Seidel „Widmung“ Februar 2020 / Hagenring-Galerie, Rede zur Vernissage „In der Tat eine gute Arbeit. Und was hast Du jetzt davon?“ Christoph Seidel und seine Malerei als permanentes Experiment Die Tür geht auf. Der Professor kommt herein. Er geht auf das Bild zu, das auf einer Staffelei steht. Mehrere Studierende blicken ihrem Professor entgegen. Wir wissen nicht, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Christoph Seidel <strong>„Widmung“ </strong>Februar 2020 / Hagenring-Galerie, Rede zur Vernissage</p>
<p><span id="more-3873"></span></p>
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<p><strong>„In der Tat eine gute Arbeit. Und was hast Du jetzt davon?“ </strong></p>
<p>Christoph Seidel und seine Malerei als permanentes Experiment</p>
<p>Die Tür geht auf. Der Professor kommt herein. Er geht auf das Bild zu, das auf einer Staffelei steht. Mehrere Studierende blicken ihrem Professor entgegen. Wir wissen nicht, ob ihre Blicke fest sind oder flackernd, aber wir können uns vorstellen, dass die Studierenden voller Spannung, ja innerer Unruhe sind. Denn jetzt geht es um alles, jetzt trifft zusammen, was nicht zusammenpasst: Die wochenlange Mühe, die unablässige, ja selbstquälerische Arbeit und das in einer Sekunde gesprochene Urteil. Wenn es um die Qualität von Kunst geht, gibt es kein Mittelmaß. Richtig gut oder einfach nur schlecht: Auf diese Alternative läuft diese Situation hinaus. Was wird der Professor sagen? Er setzt sich unter seine Studierenden, schaut, lässt sich Zeit. Dann geht er zur Tür zurück, wendet sich, kurz bevor er sie erreicht, noch einmal um, und sagt: „In der Tat eine gute Arbeit. Und was hast Du jetzt davon?“ und ist durch die Tür verschwunden.</p>
<p>Egal ob Lob oder Verriss – beides brächte wenigstens Klarheit. Aber die sibyllinische Frage löst keine Spannung, sie verlängert diese Spannung zu einer lebenslangen Selbstprüfung. Ist das nun Quälerei oder gerade im Fall der Kunst das einzige Rezept für den, der nach Qualität strebt? Lösen wir, bevor wir diese Frage beantworten, erst die Frage nach jener Szene auf, die wir eingangs geschildert haben. Sie hat sich so ähnlich zugetragen, vor langen Jahren, bei einem Kolloquium an der Kunstakademie in Münster. Der Professor war Jochen Zellmann und unter den Studierenden fand sich jener Künstler, dessen Ausstellung heute zu eröffnen ist: Christoph Seidel. „In der Tat eine gute Arbeit. Und was hast Du jetzt davon?“: Christoph Seidel ist an dieser Frage nicht zerbrochen, er hat sie mit all ihrer Unbeantwortbarkeit mitgenommen in seine Karriere. Heute stellt er sie sich immer wieder selbst, weil er stark genug für diese Frage ist. Genau das muss Jochen Zellmann wohl gedacht haben, als er diese Frage vor vielen Jahren stellte. Er wusste wohl, dass er gerade mit dieser Frage bei seinem damaligen Studenten an genau den Richtigen geraten war.</p>
<p>Die Suche nach dem Absoluten, nach der letzten, nicht mehr bezweifelbaren Qualität begleitet die Geschichte der modernen Kunst. Das ist kein Zufall, sondern Preis genau jener Freiheit der Kunst, die mit der Moderne ja endlich Wirklichkeit geworden zu sein schien. Wer aber die Kunst befreit, der entledigt sich nicht zugleich der Maßstäbe, der zerstört nur jene Qualitätskriterien, die außerhalb der Kunst liegen, jene des Geschmacks und der richtigen Ausführung, jene auch des angemessenen Motivs oder des passenden Stils. Die moderne Kunst verabschiedet diese äußeren Qualitätskriterien der Kunst, um jenen einen, strengsten Maßstab umso radikaler mitten in der Kunst aufzurichten. Jetzt hat jedes Werk die Frage nach seiner eigenen Qualität und damit Notwendigkeit aus sich selbst heraus zu beantworten. Kunst wird also mit dem vermeintlichen Anything goes der Avantgarden nicht lax und lasch, sie wird strikt und streng. Die Frage von Jochen Zellmann zielt auf genau diesen unausweichlichen Punkt der Selbstprüfung. Ist das nun ein gutes Bild? Und wohin führt es, welche Konsequenz folgt aus ihm? Man könnte auch noch zugespitzter fragen: Ist das überhaupt ein Bild? Und wann sollen wir es für gelungen halten?</p>
<p>Der Künstler, der es ernst meint, ist immer auch Artist. Er balanciert auf dem Seil, vom Absturz bedroht. Wir kennen die einschlägigen Absturzgeschichten. In Honoré de Balzacs Novelle „Das unbekannte Meisterwerk“ – Pablo Picasso versah sie 1931 mit Radierungen – arbeitet der Maler Frenhofer am Porträt seiner Geliebten. Es soll das perfekte Bild werden. Als Freunde das Gemälde enthüllen, sehen sie nur ein Gewirr aus lauter Linien, aus dem ein einzelner Fuß ragt. Die unentwegte Selbstkorrektur als Weg in das unentrinnbare Chaos, die Selbstbefragung als Selbstmarterung – Frenhofer hält das am Ende nicht aus und nimmt sich das Leben.</p>
<p>Von Misslingen und bohrendem Selbstzweifel handelt auch jener Künstlerroman, dem sein Autor Emile Zola den lapidaren Titel „Das Werk“ gab. Das Buch handelt von einem Maler der damaligen Avantgarde, der an der Suche nach dem ultimativen künstlerischen Durchbruch und dem idealen, neuen Bild verzweifelt. Im Roman zerbricht ein Künstler, im wirklichen Leben zerbrach eine Freundschaft, diejenige zwischen Zola und Paul Cézanne, der sich in der Romanfigur des Künstlers unvorteilhaft porträtiert sah.</p>
<p>Keinerlei Fortune hat auch jener angehende Pianist, der die Musikhochschule betritt und aus einem Saal Klavierspiel hört. Dieses Spiel ist so perfekt, dass der Eleve Kehrt macht und seinen Plan, Pianist zu werden, aufgibt. Er ist mit seiner Ambition an der Perfektion eines anderen zerschellt. Dieser andere ist die Pianistenlegende Glenn Gould. Thomas Bernhard macht ihn zum Symbol kalter, ja tödlicher Perfektion in seinem Roman „Der Untergeher“.</p>
<p>Und Christoph Seidel? Er nennt seine Ausstellung schlicht „Widmung“ und meint damit viel mehr als eine Hommage an seinen Lehrer, den 2016 in Münster verstorbenen Jochen Zellmann. Seidel ist heute so alt wie Zellman zu dem Zeitpunkt, als jener die Frage nach dem guten Bild stellte. Er hat die Frage schon vor Jahren umgedreht und mit dem gleichen kritischen, ja unbarmherzigen Blick auf die Bilder seines Lehrers geblickt. Darin liegt keine Grausamkeit, keine Revanche, nur Einsicht in jene Selbstprüfung, der sich alle Künstler zu stellen haben. Im Gespräch berichtet Christoph Seidel von seinem Befremden, als er Bilder Zellmanns bei einem Besuch in Münster sah. Von „Lappen“ spricht Seidel, wenn er Leinwände seines ehemaligen Lehrers meint, von irgendwelchen Farben im Spektrum von Blau und Grau, die sich auf diesen Leinwänden auf unbestimmte Weise fügen oder disparat nebeneinanderstehen. Das Gemälde als Nagelprobe, die keine Ausflucht erlaubt – das ist gemeint, wenn nach dem gefragt wird, was da eigentlich zu sehen ist, was da eingelöst wird von jenem hohen Anspruch, den die Kunst stellt.</p>
<p>Was zeigt Christoph Seidel nun selbst? Sind das nicht einfach auch „Lappen“, irgendwelche Objekte, die Kunstwerke sein wollen, denen man aber genau das nicht sofort anzusehen vermag? Der Künstler hat Gemälde und Objekte ausgewählt, die zu einem Teil auch in Blau und Grau gehalten sind, auch welche, die nicht wirklich vollendet, nicht zwingend oder gelungen erscheinen. Er hat gerade einmal ein Dutzend Arbeiten ausgewählt, Arbeiten, die immer wieder „klein“ genannt werden. Kleines Objekt, kleine Studie oder einfach kleines Stück. Unverbindlicher, ja untertreibender geht es kaum. Und rückhaltloser auch nicht. Denn manche dieser Werke sehen aus, als hätte sie Christoph Seidel mitten aus dem Arbeitsprozess herausgenommen, um sie im Licht der Ausstellung auf die Probe zu stellen. Was taugt ihr? Wie weit ist es mit Euch her? Das scheint er nun selbst seine Bilder zu fragen. Das ist keine einfache Rollenübernahme, hier spricht nicht der ehemalige Lehrer in einem Schüler weiter, der sich aus einseitiger Abhängigkeit nicht zu lösen vermag. Christoph Seidel hat erkannt, wie sehr Zellmanns Frage immer auch dem eigenen Werk galt. Sie schützt vor dem größten Feind der Kunst, vor Selbstzufriedenheit und Arrangement mit dem Mittelmaß.</p>
<p>Nun ließe sich gegen diese Konstellation einwenden, dass die Kunst längst wieder externen Kriterien folgt. Es geht, wenn man auf den aktuellen Kunstmarkt schaut, oftmals weniger um die Geschlossenheit von Kunstwerken als um ihren Marktwert, weniger um Perfektion als Dekoration, weniger auch um eigenständige Konzepte als darum, künstlerische Ideen nach Auftraggebern auszurichten, seien sie nun Sammler, Sponsoren, Kuratoren oder all jene, die Förderrichtlinien festlegen. Das mag alles so sein und ändert doch wenig an der grundsätzlichen Frage, wie Kunst heute ihre Notwendigkeit plausibel machen kann – am besten Werk für Werk. Wer auf dieser Probe besteht, muss ziemlich hartnäckig, ja vielleicht sogar ein bisschen verbohrt sein.</p>
<p>Christoph Seidel ist genau das, penibel und dabei ein wenig versponnen, zugleich aber auch redlich und klar. Wer ihn in seinem Atelier im ländlichen Hilter bei Osnabrück besucht, der betritt ein Atelier, das Produktionsstätte und Arena und Galerie und Lager ist und am Ende all das zusammen. In dem alten Industriebau hat sich ein Künstler eingerichtet, der uns mal wie ein extrovertierter Actionpainter vorkommt, mal wie ein durchgeistigter Kunsteremit. Kunst ist Machen, Kunst ist Denken. Kunst gibt es nicht ohne körperliche Verausgabung, nicht ohne penible, immer mitlaufende Selbstbeobachtung. All das führt Christoph Seidel vor, nicht zuletzt mit dieser Ausstellung, die für ihn kein Schaulaufen ist, sondern wieder eine Gelegenheit, seinen Bildern selbst als Betrachter, ja als schärfster Kritiker entgegenzutreten.</p>
<p>Wer ist Christoph Seidel? Der 1964 in Bad Rothenfelde bei Osnabrück geborene Künstler hat nach dem Zivildienst ab 1984 an der Kunstakademie Münster studiert, bei Jochen Zellmann in der Malerei den Meisterbrief erworben, bei Paul Isenrath in der Bildhauerei den Akademiebrief. Christoph Seidel lebt seitdem in zwei Berufen – als Maler und, bis 2008, als Pfleger geistig und körperlich mehrfach behinderter Menschen. Seit 2006 begleitet er das Kunstprojekt „KunstContainer“ der Heilpädagogischen Hilfe in Osnabrück. Er hat die Osnabrücker Stadtgalerie in ein Zentrum Outsider Art verwandelt. 2016 zeichnete der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. ihn mit seinem Kunstpreis aus. Diese hochverdiente Ehre galt nicht nur seinem Werk im engeren Sinn, sondern auch seinem künstlerischen Engagement in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Kunst als strenge Übung, Kunst als Projekt ohne falsche Grenzziehungen – das gehört für Christoph Seidel unbedingt zusammen. Nach einem genau austarierten zeitlichen Fahrplan wechselt er zwischen den Schauplätzen seiner Aktivitäten hin und her. Er mag dabei seine Rollen momentweise wechseln, seinem Qualitätsanspruch bleibt er ebenso treu wie seiner Übung in kritischer Selbstbeobachtung.</p>
<p>Machen und Beobachten gehören bei Christoph Seidel ebenso zusammen wie Praxis und Reflexion. Wer genau hinschaut, wird immer wieder entdecken, dass bei künstlerischen Prozessen die Reflexion in die Abläufe der Praxis eingelassen ist. Der Phänomenologe Maurice Merleau-Ponty weist in seinem Essay „Das indirekte Sprechen“ auf jene Zeitlupenaufnahmen von Henri Matisse hin, die zeigen, wie vor jedem Pinselstrich viele kleine Bewegungen ausgeführt werden, an denen sich beweist, dass der Künstler in jedem Augenblick eine eigene Wahl vollzieht, auch wenn ihm die gar nicht voll bewusst sein muss. Jede künstlerische Praxis beinhaltet ein unablässiges Ausprobieren, ein Machen, das bereits Ergebnis ist jener Auswahl, die sich zwischen mehreren Optionen der nächsten Bewegung, der nächsten Setzung entschieden hat. Christoph Seidel arbeitet eben genau so – nicht als entfesselter Berserker vor und an der Leinwand, sondern als geduldiger, auch skrupulöser Arbeiter, der probiert und prüft.</p>
<p>Sein Thema gehört zum innersten Kern des Projekts der künstlerischen Moderne: Es ist die Farbe, ihre Unabhängigkeit, ihre Fähigkeit, allein und ohne Verweis auf externe Motive oder vermeintliche Wirklichkeiten außerhalb des Bildes selbst zum Ereignis, selbst zu einer Realität von eigenem Recht zu werden. Sicher, manche der Bilder Christoph Seidels lassen sich in einem weiteren Sinn als Landschaften verstehen. Allerdings fragt es sich dann jedes Mal, was denn dabei die Landschaft sei – das Abbild einer Natur da draußen oder nicht vielmehr jenes Relief, das mit dem Auftrag der Farbe selbst entsteht. Seidels Malerei mag farbstark sein, aber sie illustriert nichts, sie mag ausdrucksstark sein, aber sie wäre als Expression missverstanden. Diese Bilder funktionieren nicht als Verweise, sondern als Gebilde, die sich selbst strukturieren. Dabei wirken viele der Bilder Christoph Seidels so, als sei der Fluss der Farbe in ihnen nur für einen Moment und damit also nur vorübergehend zu einem Stillstand gekommen. Jede Farbe ist eine starke, zugleich aber auch unsichere Substanz. Denn sie beansprucht ein kaum zu kontrollierendes Eigenleben. Farbe verweigert sich per se allen Festigkeiten von Form und Struktur. Auf der anderen Seite braucht sie ja gerade Struktur, um im Bild in einer sinnvollen, weil erfassbaren Weise zur Erscheinung zu kommen.</p>
<p>Das hört sich nach einem Grenzgang an, nach genau jenem Grenzgang, der sich wie ein roter Faden durch Christoph Seidels künstlerische Vita zieht. Die Farbe ist sein Thema. Das sagt sich so leicht, denn zugleich geht es ja auch darum, Farbe zu ihrem Eigenleben zu verhelfen, sie auf der anderen Seite aber auch dadurch zu domestizieren, dass man sie in Verhältnisse zu anderen Farben setzt, ihr durch Bildformate, Werkgrenzen überhaupt einen Rahmen gibt. Christoph Seidel findet dafür immer neue Lösungen, die seine Werkentwicklung sehr genau strukturieren. Wenn es um den Bildträger geht, schränkt er sich nicht nur auf die klassische Leinwand ein, Seidel sucht neue, andere Träger für die Farbe.</p>
<p>Er arbeitet mit transparenten Untergründen, die er auf Rahmen spannt, er unterlegt dem Bildträger Drahtnetze, formt Bodenobjekte oder plastische Gitterstrukturen, mit denen sich Farbe so verbindet, als trete sie gleichsam eigenständig in die Wirklichkeit des Raumes. Die Ausstellung in den Räumen des Hagenrings mag im Hinblick auf ihre Fläche noch so begrenzt sein – der Künstler stellt gleichwohl mehrere künstlerische Lösungen in all ihrer Pluralität, ja Unverbundenheit nebeneinander.</p>
<p>In dieser Suche nach immer neuen Materialien artikuliert sich ein tiefes Misstrauen, das sich gegen eine voreilige Festlegung auf einen Stil richtet, gegen die Gefahr der leeren Wiederholung oder gar gegen das mögliche Abgleiten in einen eigenen Manierismus. Bloß keine Wiederholung! Acryl, Papier, Plexiglas, Holz, Maschendraht: Die Liste der Materialien liest sich wie das Tagebuch einer niemals aufhörenden Erprobung immer neuer künstlerischer Optionen. Seidel betreibt den Materialmix nicht als puren Selbstzweck, er macht sich auf eine Entdeckungsreise zu weiteren Möglichkeiten, aus dem Bild heraus und in den Raum zu treten. In diesem wichtigen Zug seiner Arbeit ist noch der späte Einfluss von Gerhard Hoehme spürbar, der wiederum Seidels Lehrer Zellmann ausbildete. Hoehme montierte Schnüre in und auf seine Malgründe und ließ seine Bilder so Fühler in den Raum austrecken. Als Hoehmes künstlerischer Enkel setzt Christoph Seidel seine Bilder noch ganz anders in Bewegung, nämlich dadurch, dass er ihren Aggregatzustand in einem weit stärkeren Maß grundsätzlich verändert.</p>
<p>Wie sehen die Resultate dieser Bemühungen aus? Was wird dadurch gewonnen? Christoph Seidel hat vor allem mit seiner Ausstellung in Schieder-Schwalenberg bei Detmold 2016 eindrucksvoll geantwortet. Im Robert-Koepke-Haus machte er seinerzeit Malerei und mit ihr die Farbe zu einem Totalereignis – als Gemälde an der Wand, Bildobjekt auf dem Boden und Farbobjekt im Raum. Die Signatur dieser Präsentation setzte Seidel mit einem Bodenobjekt aus Keilrahmen, dessen Umriss die Kontur des eigenen Atelierraumes wiedergab. Die Bildelemente lagen wie kantig geborstene Eisschollen im Ausstellungsraum. Seidel hatte sie mit einer Malerei bedeckt, die sich in warmen Lichtströmen scheinbar wie von selbst in alle Richtungen ergoss. Malerei bildete ihre eigenen Landschaften aus. Und der Künstler stand ihr dabei scheinbar nur wie ein Helfer zur Seite. Der Künstler hält mit solchen Konzepten die Mitte zwischen Malerei und Ausstellungskonzeption, zwischen der Ausführung des einzelnen Werks und einem Denken in kompletten Raumgestaltungen.</p>
<p>Der Künstler spricht bei solchen Projekten immer wieder lakonisch von seiner „Teststrecke“. In Wirklichkeit treibt er seine Kunst als Prozess voran, der seine Maßstäbe nur aus den eigenen Mitteln und Methoden heraus definiert. Seidels Kunst ist so in hohem Maße in sich selbst geschlossen und zugleich – im Hinblick auf Material und Raum – maximal expansiv. Christoph Seidel produziert auf diese Weise mit seinen Bildern und Objekten und ihren immer neuen Differenzen frische Anlässe für hochgradig verfeinerte Beobachtungen in den Lichtsphären der Farben. Das ist künstlerisch deshalb vortrefflich, weil eine solche Arbeitsweise radikal zeitgenössisch gedacht ist.</p>
<p>Es ließe sich mit Niklas Luhmanns Systemtheorie trefflich darüber nachdenken, wie Seidel seinen Arbeitsprozess und damit die Genese jedes einzelnen seiner Werke als Abfolge sehr bewusst vollzogener Unterscheidungen konzipiert und sich gerade in dieser Arbeitsweise als entschieden moderner Künstler erweist. Luhmann beschreibt in seinem Klassiker „Die Kunst der Gesellschaft“ das zeitgenössische Kunstwerk als Ensemble aus Unterscheidungsleistungen und den zu ihnen gehörenden Prozessen. Diese Prozesse können naturgemäß an kein Ende kommen. Das zeitgenössische Werk – solange wir von Werkbegriffen noch sprechen wollen – hat keine finale Gestalt, sondern immer nur neue Zwischenzustände. Diese Wahrheit anzuerkennen, bedeutet für Christoph Seidel keine Resignation. Sie setzt im Gegenteil immer neue Impulse für eine künstlerische Arbeit, die jede Präsentation immer nur als momentanen Zustand eines Werkes und seiner Sichtbarkeit sieht, die sich im nächsten Augenblick wieder verändern und auflösen.</p>
<p>Seidels Kunst folgt damit keinem Diktat des Neuen, erst recht nicht im Sinn jener Selbstüberholungen, die für den Kunstmarkt und seine Umsatzinteressen inszeniert werden. Christoph Seidel gehört zu jenen Künstlern, die sich von den Erwartungen und Bewertungsroutinen des Marktes sehr freigehalten haben. Er folgt der Logik seiner Werkentwicklung als einer deshalb rückhaltlos modernen, weil sie das Spiel der künstlerischen Unterscheidungen immer weitertreibt und damit, um noch einmal in der Terminologie Niklas Luhmanns zu sprechen, immer neue Beobachtungsmöglichkeiten kreiert. Genau das aber macht Moderne weiter aus: jene beständige Selbst- und Umweltbeobachtung von Individuen, die sich mit der Moderne selbst reflexiv geworden sind. Dieser Prozess hat sich nicht abgeschwächt, er bildet im Gegenteil das Fundament unseres Lebensgefühls und unserer sozialen Situierung. Kunst bildet keine außerhalb ihrer selbst liegende Wirklichkeit ab, sie zeigt auch nicht, wie das Leben besser, schöner oder vollkommener sein könnte, sie bietet überhaupt keine Lösungen an, sondern immer wieder nur Anlässe für Beobachtungen mit der Qualität einer ästhetischen Erfahrung, die Kommunikation anregt und das, was aus ihr folgt: neue Formen der Selbstdefinition.</p>
<p>Genau das haben wir von guten Bildern – um zum Schluss dieser kleinen Einführung auf jene Frage zu antworten, mit der Jochen Zellmann einst seine Studierende in zermürbende Grübeleien stürzte. Christoph Seidel hat erkannt, dass ihm sein Professor mit dieser Frage eigentlich das Tor zu einem selbstbestimmten und eben deshalb erfolgreichen künstlerischen Entwicklungsprozess aufgestoßen hat. Eines der Ergebnisse dieses Prozesses sehen wir jetzt in den Räumen des Hagenrings in Gestalt einer Ausstellung, die sich nicht als Präsentation einer im problematischen Sinn vollendeten Kunst versteht, sondern als nächste Teststation auf einem Weg der Produktion und Reflexion, die niemals enden können und dürfen. Und was haben wir nun davon? Nutzen wir die Frage des einstigen Kunstprofessors Jochen Zellmann dazu, uns selbst mit der Kunst, die hier sehen, neu in Bewegung zu setzen. In diesem zugespitzten Sinn sei die „Widmung“, die der Präsentation ihren Titel gibt, nicht nur auf den Künstler und sein Vorbild, sondern auf uns alle im Sinn produktiver Herausforderung bezogen.</p>
<p>Hagen, Hagenring-Galerie: Christoph Seidel: Widmung. 16. Februar bis 15. März 2020.</p>
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		<title>Miquell 22</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2018/10/09/miquell-22/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Oct 2018 10:51:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Liebe Farb-Luft-Raum-Klang-Bilder-Haus- Besucherinnen und -Besucher,mir wurde leichtsinniger Weise von Christoph Peter Seidel angetragen, zu einem besonderen Ereignis ein Präludium zu sprechen. Lieber Christoph, Du und ich wussten gestern noch nicht, was das sein wird.Auf das Präludium folgt ein Interludium – Malerei und Cello-Performance mit Willem Schulz. Lieber Willem, weder Christoph noch Heike noch ich wissen [&#8230;]</p>
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<p>Liebe Farb-Luft-Raum-Klang-Bilder-Haus-<br />
Besucherinnen und -Besucher,mir wurde leichtsinniger Weise von Christoph Peter Seidel angetragen, zu einem besonderen Ereignis ein Präludium zu sprechen. Lieber Christoph, Du und ich wussten gestern noch nicht, was das sein wird.Auf das Präludium folgt ein Interludium – Malerei und Cello-Performance mit Willem Schulz. Lieber Willem, weder Christoph noch Heike noch ich wissen bis zu diesem Augenblick, was das sein wird.Was wir aber alle mit größtem Vertrauen wissen, ist, dass es gut sein und uns anrühren wird. Jeden und jede auf die je eigene Weise. Und ganz ohne Ballast von hehren schweren Worten. Vielmehr einfach ein fröhliches Experiment in einem Haus. Und das ist eigentlich das Wunder, das uns alle hier zusammenführt: in einem Haus, in dem gewohnt, gelebt, gegessen und geschlafen, gedacht und geredet, geputzt und gekocht und gefeiert wird. Das Wunder ist die Verbindung dessen, was nun für vier Wochen und für die begrenzte Zeit dieser heutigen Veranstaltung da ist: Bild und Klang, dargeboten durch zwei Künstler, die einander offenbar gesucht und gefunden haben. Und die ganz besonders die Dritte im Bunde gesucht und gefunden haben, nämlich Heike Bohm. Ohne sie gäbe es uns hier und jetzt und heute nicht an diesem Ort. Danke, Heike! Wie schön, Dich auf diese Weise kennenzulernen!<br />
Ganz gleich ob Prä- oder Interludium:</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="vc_empty_space"></div>
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<p>Diese Begriffe kommen aus der Musik. Nun, vorsingen werde ich Ihnen meine Worte nicht, selbst wenn das sehr reizvoll sein könnte. Ich habe mir eine andere Form ausgedacht – eine Art assoziative Poesie, wie ich sie mir nach dem gestrigen Gang durch dieses Haus spontan notiert habe. Ganz ohne Künstlerviten, Auflistung von Ausstellungs- und Klangprojekten und ohne Versuch einer kulturellen Analyse. Denn was hier heute zählt, ist der Augenblick und das Miteinander dieses Augenblicks. Und das soll genügen.</p>
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		<title>VER.DICHTUNGEN</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2018/05/25/verdichtungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 May 2018 11:29:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Christoph Peter Seidel präsentiert in der Ausstellung &#8211; VER.DICHTUNGEN &#8211; malerische Arbeiten aus den vergangenen zwei Jahren, die sich mit dem Phänomen der Farbe als plastischem Material beschäftigen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2018/05/25/verdichtungen/">VER.DICHTUNGEN</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><p>Christoph Peter Seidel präsentiert in der Ausstellung &#8211; VER.DICHTUNGEN &#8211; malerische Arbeiten aus den vergangenen zwei Jahren, die sich mit dem Phänomen der Farbe als plastischem Material beschäftigen.<br />
<span id="more-3517"></span><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid oi_inner_paddings vc_custom_1456388522218"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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<p>Was wissen wir von den uns so oft berührenden Facetten der Kunst, etwa der Malerei und deren Verschränkungen und Bezügen zu Skulptur oder Installation? Im Rückblick mit all unseren Vorlieben und Dissonanzen durchaus so manches, das uns bereichern und verändern konnte, uns zumindest beschäftigte und bewegte. Kunst kann sich immer wieder neu erfinden und uns immer wieder neu entzünden. Indem Kunst, die wir brauchen, uns berührt, verändert sie uns.</p>
<p>So schauen wir auf die Kunst mit einem Gemisch aus Wahrnehmung, Erfahrung und Erwartung. Das Unbekannte, das Ungesehene hat eine verführerische, eine gleichsam anziehende, womöglich magische Dimension. Auf diese Dimension des Ungesehenen zu treffen, ist eine unserer Hoffnungen. Wir brauchen Überraschungen, damit Erstaunliches einfließen möge aus der Kunst in unseren Alltag. Denn noch immer gibt es, was in der Kunst als das Neue markiert werden kann. Und wer damit in Berührung kommt, spürt so etwas wie einen ungewissen, einen nicht greifbaren, doch für Momente ihn verwandelnden Zauber.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Geschichtete Malskulpturen</strong><br />
Zur Malerei von Christoph Seidel<br />
von Dirk Manzke</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Malerei ist Experiment<br />
</strong>Der Maler Christoph Seidel erweitert die Arbeitsmethoden malerischer Schichtung, Häufung, Überlagerung und Fügung. Malerei berührt bei ihm nicht nur die einst strikte Sparte Skulptur, sondern verflüssigt diese tradierte Grenze. Erstaunlich selbstverständlich trifft Malerei nun modellhaft auf Arbeitsweisen zwischen den Disziplinen Plastik und Architekturentwurf. Dabei entstehen in einem malerischen Prozess maßvoll räumliche Malmodelle. Während eines erkundenden und beobachtenden Ausprobierens wird die Malerei beinahe aufgegeben, um schließlich über ein architekturnahes Raummodellieren als dreidimensionale Malerei zurückzukehren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dazu bemalt Christoph Seidel nicht etwa Architektur und er dekoriert sie auch nicht. Als Maler aber entdeckt er mit den Mitteln der Malerei den Raum, wendet sich sogar Fragen der Konstruktion zu. Dabei beleiht er keinesfalls abzubildende Vorlagen und bringt auch keine neuerlichen räumlichen Perspektiven hervor. Eher nähert sich der Künstler unbestimmten räumlichen Erkundungen. Selbst erstaunt erreicht er dort den Raum, wo das freie Experimentieren als ständige Inspiration etwa zum malerischen Objekt führte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach langen Arbeitsversuchen, in denen Christoph Seidel lavierend und schichtend, träufelnd und tröpfelnd ausprobierte, konnte er in letzter Zeit einen Weg erschließen, aus dem seine Malerei neu hervorgeht. Als über Jahrzehnte am eigenen malerischen Tun geschulter Farbenkenner wählt er feinste Tonwerte und lässt über stoffliche Nuancen der Farbe labil anmutende Skulpturen entstehen, die die Farbe beinahe zum Baustoff erklären. Seidel versteht diesen Vorgang als einen gelassen anmutenden, völlig selbstverständlich handwerklichen Prozess. Er versucht, etwas Sinnlich-Konstruktives entstehen zu lassen, ohne sich auf gängige Abbildmuster der Malerei einzulassen. Was man zu sehen bekommt, ist das, was man sieht: aus Farbe in feinen Fasern ziselierte Malskulpturen. Erst einmal nichts Anderes. Der Künstler will dabei mit den Mitteln der Malerei eine eigenständige, möglichst autonome Realität entstehen lassen. Seidels Kunst ist im Prozess seiner Experimente mit dem Material Farbe unmittelbar das, was man geradeaus als ´real´ benennt: Ich sehe was, was auch du siehst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So entsteht im allmählichen Prozess eine plastisch werdende Schichtenverlaufsmalerei, eine sich in feinsten Farbverläufen aufbauende, auch hinaufsammelnde Bildwelt. Dieses Schichten von Farbe entfaltet sich vorm beobachtenden Künstler völlig eigenständig und bewahrt dabei Unbekümmertheit. Dabei nähert sich Malerei dem Objekt, ohne vordergründig Objektkunst zu werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Räumliches Farbgeschehen</strong><br />
<strong>aus dem Atelier<br />
</strong>Diese Malerei ist still gewordenes und doch sich scheinbar bewegendes Farbgeschehen. Durch kaum erkennbare oder erahnbare Arbeitsweisen entfaltet sich hier allmählich ein Verfestigen von Räumlichkeit in Farbe. Vielfältige Eindrücke breiten sich aus. Durch geduldiges Forschen im offenen Umgang mit Farbe wird nach und nach sichtbar, was eigentlich getan wird. Indem Christoph Seidel mit Farbe etwas geschehen lässt, dem er selbst zuschaut, wird sein Forschen sinnlich erfahrbar. Dabei wird die malerische Handlung ein subtiles Gemisch aus konzeptionell-konstruktiver Absicht, die bereits vor Beginn der Arbeit ausgelotet wird, Selbstvergessenheit und dem Umkreisen des Zeiteinsatzes, der für die ungewöhnliche Form des tröpfelnden Agierens sehr hoch ist. Da wird über die Konstruktion des Malerischen nachgedacht, die wirksam zu einer Stabilität der Farbe führt. Zugleich steht die Frage der künstlerischen Wirkung im Raum, denn jede der aufgetragenen Schichten verändert die Tiefe, den Schatten, die Plastizität der Malerei. Zugleich lässt er Künstler aber auch etwas vor sich entstehen, dass nicht kalkulierbar ist und gerade deshalb die vorgedachten Konstruktionen verschiedenartig ummantelt. Seidel lässt also auch etwas geschehen. Hier treffen sich Unberechnetes und kaum Kalkuliertes, das aus dem unmittelbaren Umgang mit der Farbe selbst hervorgeht und bewusste Entscheidungen zur Konstruktion und Statik. Einerseits schaut der Künstler dem, was wer tut, selbstvergessen und verschwiegen zu, andererseits beobachtet er streng die Leistungsfähigkeit der eingefügten Konstruktion. So spürt er eingekehrt in die Zurückgezogenheit eigenen Schauens auf, was in unserer heutigen Ablenkungskultur kaum noch Kinder vermögen. Es ist die unbelastete Freude am ungesicherten Ergebnis. Es ist die Begeisterung für malerische Ergebnisse, die zuvor selbst für den Künstler unbekannt und ungesehen blieben. Es ist die Überraschungslust, dass plötzlich die Farbe selbst das Vorgehen bestimmt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Diese im Experimentieren entstehende Malerei kennt keinerlei große Gesten, kein Pathos, nicht einmal eine vordergründig aussprechbare Botschaft. Eher ist sie geschützt durch eine eigentümlich stille Lust an offener Einlassung. Seidel gibt sich beglückt, wenn er erlebt und erkennt, wie sich durch bewusstes konstruktives Denken und ein zuschauendes Dabeisein das Material Farbe im Tun verhält und dabei zum künstlerisch autonomen Element gerinnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Christoph Seidel lotet seit Jahren die Rahmenbedingungen der Farbe aus: Pigment. Dichte. Konsistenz. Schwerkraft. Substanz. Tönung. Wirkung. Wir kennen ihn als Farbexperimentierer, als Forscher im Sujet farbiger Nuancen, collagierter Expressionen oder explodierender Spritzflächen. Seine Malerei bleibt in Bewegung, entwickelt sich, sucht nach immer neuen Wegen, in denen sich Neues herauskristallisieren lässt und findet sie.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Inzwischen nun sehen wir einen zusätzlich auch statisch denkenden und konstruktiv handelnden Malskulpteur. Daraus erklärt sich die neue Quintessenz seiner künstlerischen Untersuchungen, die zurückgenommen und unscheinbar, zugleich aber auch streng im Prozess organisiert ist und sich so in immer wieder veränderter Weise zu dem puren Material Farbe bekennt. Das alles geschieht in gelassener Zurückgezogenheit, fern der großen Töne und öffentlichkeitswirksamen Posen im Atelier. Seidel ist ein ernsthafter und konzentrierter Künstler und er weiß sich im Kunstbetrieb dort zu verweigern, wo es dem Ernst der Künste wenig zuträglich ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Konstrukte von Malskulpturen<br />
</strong>Was diese Malerei trägt, ist das Entdecken des eigenen Tuns. Hier schaut einer sich selbst zu, indem er agiert. Wir schauen und lernen, dass das, was mit Farbe in gleitenden Tröpfelprozessen aufgeschichtet wird, einst jahrhundertelang in der Fläche verblieb. Christoph Seidel hat mit seiner Malerei bereits früher den Raum, das Räumliche, den Willen zur Dreidimensionalität betreten. Seine Malerei ist ein Vorgang, sich der Fläche zu entziehen. So gerinnt sie zu ihrer elementarsten Daseinsweise, der Farbe als Werkstoff, die nun nicht mehr nur auf der Fläche grundiert, sondern im Raum stabil gehalten werden muss, die sich in konstruktiven Zusammenhängen wiederzufinden hat. Farbe ist nicht mehr Mittel des Anstrichs, des Duktus, des Auftrags, nein, Farbe wird mit Fragen der Statik, des Gerüsts, des Bauens, der Tektonik und schließlich der Architektur konfrontiert und konfiguriert. Für diese Farbschichtungen ist Christoph Seidel in nicht endender Langsamkeit und endlosen Schichtungen immer wieder ausprobierend unterwegs. Er versucht mit Rasterkonstruktionen, Ständereinbauten und Drahtverfestigungen die weiche, auch in Temperaturschwankungen sich verändernde Farbe zwischen Modellfügung und Farbklang einzufangen und festzuhalten. Facetten des Räumlichen werden zu integrierten Elementen der freien Malerei: Raumgitter, Gerüstkonstrukte, Gliederraster, Schichtenverwebungen, Materialverstärkungen. Damit wird eine neue Spannweite des Umgangs mit Farbe erkennbar und trotzdem bleibt Farbe natürlich Farbe. Mit ihr aber wird die Erkundung einer malerisch motivierten Forschungsmethodik innerhalb der Künste offenbart. Die Schwerkraft der Farbe etwa, die Bindungskräfte des Farblichen, physische, physikalische und atmosphärische Aspekte werden neu konstituiert und erhellt. Dazu wird der Farbträger selbst zum Thema, gehört unmittelbar zur Konstruktion der Seidel´schen Malerei, ist nicht abzulösender oder sich verselbständigender Teil des Ganzen. Malerei versinnlicht hier die Zusammenführung von Farbe und Konstruktion. Dabei ist die Konstruktion sichtbar oder verborgen noch Hilfsmittel, um die Farbe in ihrer Substanz zu stärken, um sie zum Stehen zu bringen. Sie, die Konstruktion, ist rationaler Halt für eine weiterhin sich frei entfaltende Malerei, die in einem stillen, ritualisierten, ja meditativen Arbeitsprozess nach und nach entwickelt wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und plötzlich treffen sich im Werk der Mönch und der Handwerker, der Künstler und der Forscher. Traditionelles wie die Malerei und Neuzeitliches wie das räumliche Modell erscheinen in diesem Gefüge aufeinander bezogen und verknüpft. Plötzlich steht sichtbar im Bannkreis des Wahrnehmens der malerischen Konstrukte die von ihnen ausgehende Wirkung. Die Antagonismen von Festigkeit und Weichheit berühren statisch und fließend zugleich Aspekte wie Verdichtung und Transparenz. Das Zusammenführen all dieser einander divergierender Vorgänge führt in Form von Malskulpturen zu verdichteten Raum aus gedehnter Zeit. Das Tröpfeln dauert lange. Das Schichten benötigt Zeit, still vergehende Zeit. Es ist ein Vorgehen in hingebungsvoller Geduld. Und bald erscheint ein malerisches Gemisch aus verfestigtem Raum, gebannter Zeit und im Material Farbe geronnenem Licht auf, aus dem diese geschichteten Malskulpturen hervorgegangen sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es ist, als ließe sich aus dem malerischen Tun ein veränderter, sensibilisierter Zugang zum Umgang mit Materialität erschließen. Und Inspiration braucht der sich heute ungezügelt ausweitende Umgang mit wenig haltbaren, kurzlebigen Materialien, die sich als Alltagsmasse hilflos zwischen Styropor, Plastik und RAL-Farbpaletten in unseren Städten und Landschaften ausweitet, ohne ein konstituierendes Interesse zu vermitteln. Würde man den <strong>geschichteten Malskulpturen </strong>Christoph Seidels folgen, so müsste mit ihr ein Impuls hin zum qualitativen Umgang mit Materialien aufgezeigt werden. Das Verständnis von Raumgestalt würde dann endlich wieder die Frage der Authentizität von Materialien aufdecken und die Gestalt unserer Stadtlandschaften erschiene, angeregt durch die Künste, befreit von pragmatischer Kurzsichtigkeit und dem laufenden Renditewahn.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Malerei, die unbemerkt</strong> <strong>Epochen versöhnt<br />
</strong>Die geschichteten Malskulpturen von Christoph Seidel geben sich nun als eigentümlich anziehende und im Material komprimierte Bedeutungsträger. Diese erwächst neben dem Material Farbe aus der konkreten, praktischen und meditativen Handlung, aus dem Umgang mit den Erfordernissen und Anforderungen, die jedes Material nun einmal stellt. Christoph Seidel, das muss hervorgehoben werden, lebt in und mit seinen Handlungen. Er begleitet das von ihm ausgelöste Geschehen und bleibt doch auch wie gebannt außerhalb seines Tuns. Er nutzt dazu alle verfügbaren Materialien aus dem Hier und Jetzt, die ihm helfen, den Experimentiercharakter seiner Malkonstrukte fortzusetzen. Doch das Malerische scheint darin trotzdem auf und atmet als Gestalt zurück. Es ist, als stünde die sich gegenwärtig mehr und mehr entfaltetende Arbeitsweise von Christoph Seidel zwischen den Epochen der verharrenden, teils sehnsüchtigen Romantik und der offensiven, sich aufgeklärt gebenden Moderne.</p>
<p>Wer die Malskulpturen bewusst räumlich betrachtet, sie dreht und von allen Perspektiven einsieht, der entdeckt von der Seite Variationen ausgedehnter Landschaftsformationen, von vorn dagegen Variationen des Rasters. Es sind weiche und doch stabile Bildwerke, die seitlich morgendliche Nebellandschaften oder taghelle mediterrane Sonnenuntergänge vermitteln und von vorn erkundet als Raster endlos erweiterbar aufscheinen, würden da nicht die Gesetze des Materials Farbe Einhalt gebieten. So entfalten die Farbgerüste den Charakter von einander verknüpften Haltepunkten, die sich aus Maltechniken erklären und tief in das Wesen der Zeit zwischen Romantik und Moderne verweisen.</p>
<p>Mit dem gegenwärtig politisch erkennbaren Ausklang der Epoche der Moderne, die ihre wilden Exzesse der Barbarei im 20. Jahrhundert auslebte, wird hier die Moderne auf die Romantik des beginnenden 19. Jahrhunderts bezogen. Das Irrrationale des Ungewissen und das Rationale des Konstruktiven, einander sich scheinbar ausschließende Umgangsweisen mit der Welt, sie spiegeln sich nunmehr ineinander. Und dabei geschieht etwas Erstaunliches: Wir spüren für Momente unseres Schauens, dass wir versöhnt werden mit dem langen 19. Jahrhundert, um uns erneut und ermutigt dem unbestimmt Kommenden zuzuwenden. Was hier erarbeitet wird, ist eine Malerei, die sich in ihrer äußerst langsamen und abgeschiedenen Entstehungsart der hochgefahrenen Nervosität unserer Tage entgegenstellt. Dabei erkennen wir, dass in Seidels Malerei subtil unsere Epoche als ein Zwischenstadium eingewoben ist. Die geschichteten Gitter sind Träger und zugleich Ausdruck unserer Zwischenzeit, unseres Dazwischenseins. So werden sie uns zu sinnlichen Haltepunkten der Improvisation, die zugleich ganz unserer unbestimmt lavierenden Suche nach neuen Formen von Stabilität folgen.</p>
<p>Indem Seidel seine stillen, kleinteiligen Malskulpturen vor sich hin tröpfelt, umkreist er gesichertes Wissen und verlässt es zugleich. Das eingangs erwähnte Gemisch aus gesetzter Erfahrung und offener Erwartung jedenfalls braucht Kunst wie diese, um uns in Geduld und Offenheit zu üben. Es ist, als wolle Christoph Seidel uns sagen, dass wir mit dem auskommen müssen, was wir gesichert wissen und doch anerkennen sollten, dass es um Unbestimmtheit geht, der wir uns vorsichtig und ausgewogen nähern können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Dirk Manzke </strong>hat Architektur und Städtebau in Dresden und Tiflis studiert. Später engagierte er sich zunehmend für Kunst und Kunst im öffentlichen Raum, ist Verfasser zahlreicher Textmaterialien zu den Themen Stadt, Architektur und Kunst und Vorstandsmitglied der Freunde der Kunsthalle Osnabrück e.V. Er ist Ideengeber und Ko-Kurator des Kunstprojektes TANGENCY, dass 2012, 2015 und 2018 im öffentlichen Raum der Stadt Osnabrück umgesetzt werden konnte. Gegenwärtig hat er eine Professur für Städtebau und Freiraumplanung an der Hochschule Osnabrück inne.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bereits seit Jahren untersucht Seidel die raumschaffenden Möglichkeiten der Malerei. Seine Dynamik erhält diese Auseinandersetzung ganz konkret durch den Antagonismus von Plastischer Oberflächen und transparenten Bildträgern der bisher häufig großformatigen Arbeiten.</p>
<p>Die Ausstellung läuft vom 26. Mai bis 23. Juni 2018 im Kunstverein Trier Junge Kunst.</p>
<p>Weitere Informationen zu der Ausstellung, erhalten Sie auf der Website des Kunstvereins Trier Junge Kunst <a href="http://www.junge-kunst-trier.de/index.php?seite=ausstellungen/2018/christoph_seidel/_ver_dichtungen.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unter diesem Link</a>.</p>
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</div><p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2018/05/25/verdichtungen/">VER.DICHTUNGEN</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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		<title>Christoph Seidels Werkbuch</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2018/03/22/christoph-seidels-werkbuch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Mar 2018 09:15:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Frage, was mit Malerei vermittelbar ist, stellt sich vor diesem Werk erneut, und Christoph Peter Seidel antwortet mit dem „Wie“, dem Weg:</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2018/03/22/christoph-seidels-werkbuch/">Christoph Seidels Werkbuch</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><p>Die Frage, was mit Malerei vermittelbar ist, stellt sich vor diesem Werk erneut, und Christoph Peter Seidel antwortet mit dem „Wie“, dem Weg:<br />
<span id="more-3406"></span><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid oi_inner_paddings vc_custom_1456388522218"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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<p>die durch Farbe, Licht, Transparenz, Raum- und Sinnenerfahrung ermöglichte und initiierte Meditation vor der Autorität des Nichtgewussten, verdinglicht in einer pastosen Huldigung an die Farbe.</p>
<p>&#8212;</p>
</div>
</div>
</div>
<p><em>Zitat Gisela Burkamp, 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Für weitere Beiträge und einen Einblick in Christoph Peter Seidels Schaffen, erhalten Sie <a href="http://www.christoph-peter-seidel.de/download/seidel_werksbuch_2013.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier in seinem Werkbuch</a>.</p>

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</div><p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2018/03/22/christoph-seidels-werkbuch/">Christoph Seidels Werkbuch</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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		<title>Christoph Seidels neue Bilder in Schieder-Schwalenberg</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2016/06/19/schieder-schwalenberg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jun 2016 16:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schieder-Schwalenberg. Der Bad Iburger Künstler Christoph Seidel zeigt neue Werke in Schieder-Schwalenberg. Der Maler zeigt, was mit Farbe möglich ist &#8211; von Bild bis Bodenobjekt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2016/06/19/schieder-schwalenberg/">Christoph Seidels neue Bilder in Schieder-Schwalenberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><p>Schieder-Schwalenberg. Der Bad Iburger Künstler Christoph Seidel zeigt neue Werke in Schieder-Schwalenberg. Der Maler zeigt, was mit Farbe möglich ist &#8211; von Bild bis Bodenobjekt.<br />
<span id="more-1881"></span><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid oi_inner_paddings vc_custom_1456388522218"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p><strong>Er lässt die Farbe vom Schaschlikspieß auf stramm gespannte Gardinenstoffe tropfen. Christoph Seidel macht aus banal erscheinender Prozedur aber große Kunst.</strong></p>
<p>Seine leuchtkräftig aufflammenden Farblandschaften weiten Kunst zu einem Totalereignis &#8211; als Gemälde an der Wand, raumfüllendes Bildobjekt auf dem Boden oder als Farbobjekt im Raum. Seidel hat gerade den Kunstpreis 2016 des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e.V. erhalten. Jetzt zeigt er Werke aus den letzten 15 Jahren im Robert-Koepke-Haus im ostwestfälischen Schieder-Schwalenberg unweit von Detmold, einem Ort, der bis in das 20. Jahrhundert hinein als Malerkolonie bekannt war. Hier weiterlesen: <a href="http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/729950/ehrungen-des-landschaftsverbandes-in-osnabruck" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Christoph Seidel erhält den Kunstpreis des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land.</a></p>
<p><strong>Avantgarde befreite die Farbe</strong><br />
Die Avantgardisten der klassisch genannten Moderne von Henri Matisse bis Paul Klee haben die Farbe befreit, mit ihrer Leuchtkraft eigenen Ausdruckswert freigelegt. Seidel erzählt die Geschichte dieser wirkungsstarken Emanzipation weiter, indem er die Farbe radikal zum Protagonisten seiner Kunst erhebt. Vor Jahren bedeckte er seine Bildträger von Leinwand bis Metall und Plexiglas mit furiosem Action Painting. Ein wandfüllendes Triptychon, das in Schieder-Schwalenberg zu sehen ist, wirkt heute jedoch trotz seiner mächtigen Präsenz wie das Zitat einer abgelegten Werkphase. Denn der an der Kunstakademie Münster ausgebildete Seidel hat das Experiment mit der Farbe entschieden weiter getrieben. Hier weiterlesen: <a href="http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/610628/experimente-aus-dem-atelier#gallery&amp;0&amp;0&amp;610628" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Christoph Seidels Bilder im Osnabrücker Kunstquartier.</a></p>
<p><strong>Bodenobjekt aus lauter Bildern</strong><br />
Kunst hat seit der Moderne massiv an Sichtbarkeit und kulturellem Einfluss gewonnen. Zugleich entfaltete sie ihre Energien aus radikalem Selbstbezug. Das hält auch Christoph Seidel so. Expansion durch Konzentration: Der Maler führt das mit einem Bodenobjekt aus Keilrahmen vor, dessen Umriss die Kontur des eigenen Atelierraumes wiedergibt. Die Bildelemente liegen wie kantig geborstene Eisschollen im Ausstellungsraum. Seidel hat sie mit einer Malerei bedeckt, die sich in warmen Lichtströmen scheinbar wie von selbst in alle Richtungen ergießt. Malerei bildet ihre eigenen Landschaften aus. Und der Künstler steht ihr dabei nur wie ein Helfer zur Seite. Hier weiterlesen: <a href="http://www.noz.de/lokales/bad-iburg/artikel/593509/landschaftsverband-zeigt-arbeiten-von-acht-studierenden#gallery&amp;54015&amp;0&amp;593509" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kunst von Osnabrücker Studierenden auf der Iburg .</a></p>
<p><strong>Malerei ist die eigentliche Wirklichkeit</strong><br />
Meine Wirklichkeit ist die Malerei: Seidel folgt diesem Credo konsequent, indem er die Verwendung der Farbe in einer Reihe künstlerischer Versuchsanordnungen zu überraschenden Möglichkeiten vorantreibt. In komplexen Materialkombinationen macht er aus flüssiger Farbe ein festes, zur Plastizität fähiges Material. Malt hier Miraculix? Ein bisschen schon, wenn der Künstler Acrylfarbe mit Acrylgel, Glasfieber und GFK-Kunststoff vermischt, und aus diesem neuen Stoff sich überschneidende Ovale auf Bildträger bringt oder gleich Raster formt, die nun als Plastiken auf Podesten ausgestellt werden. Am Ende braucht die Farbe kein Bild mehr, um erscheinen zu können. Hier weiterlesen: <a href="http://www.noz.de/lokales/bad-iburg/artikel/283619/landschaftsverband-zeigt-werke-von-christoph-seidel-und-studierenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Landschaftsverband zeigt Kunst von Christoph Seidel.</a></p>
<p><strong>„Meine Teststrecke“</strong><br />
Christoph Seidel inszeniert die lange Reise der Farbe zu sich selbst als spannende Reise, die noch lange nicht an ihr Ende gekommen ist. Der Künstler spricht lakonisch von seiner „Teststrecke“. In Wirklichkeit treibt er seine Kunst als Prozess voran, der seine Maßstäbe nur aus den eigenen Mitteln und Methoden heraus definiert. Seidels Kunst produziert so mit immer neuen Differenzen Anlässe für hochgradig verfeinerte Beobachtungen in den Lichtsphären der Farben. Das ist vortrefflich, weil radikal zeitgenössisch. Hier weiterlesen: <a href="http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/717165/wo-bleibt-die-aura-der-kunst-im-digitalen-zeitalter-1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wo bleibt die Aura der Kunst im digitalen Zeitalter?</a></p>
<p>&#8212;<br />
<em>Ein Artikel von Dr. Stefan Lüddemann</em></p>

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</div><p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2016/06/19/schieder-schwalenberg/">Christoph Seidels neue Bilder in Schieder-Schwalenberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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		<title>Verleihung des Kunstpreises 2016</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2016/06/01/kunstpreis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jun 2016 11:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auszüge aus der Laudatio von Helen Koriath zur Verleihung des Kunstpreises des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land 2016 an Christoph Peter Seidel im Juni 2016</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2016/06/01/kunstpreis/">Verleihung des Kunstpreises 2016</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><p>Auszüge aus der Laudatio von Helen Koriath zur Verleihung des Kunstpreises des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land 2016 an Christoph Peter Seidel im Juni 2016<br />
<span id="more-3351"></span><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid oi_inner_paddings vc_custom_1456388522218"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>&nbsp;</p>
<p>…. Christoph Seidels Kunststudium scheint insbesondere im Blick auf die neuesten Farbarbeiten späte Früchte zu tragen, die aus der Paarung von Malerei [Prof. Zellmann] und Plastik [Prof.Isenrath] hervorgegangen sind. Um es kurz zu machen: die Arbeiten von Christoph Seidel müssen in ihrer jeweils entsprechenden Präsentationsform erlebt werden. Dazu bieten am besten die von ihm eingerichteten Ausstellungen Gelegenheit. Denn nur in den vom Künstler vorgenommenen Inszenierungen im Raum tritt seine Kunst wie ihr zugedacht in Erscheinung. Zwar ist zweifelsfrei auch ein Besuch bei Christoph Seidel im Atelier ein Erlebnis. Inmitten der im Laufe von drei Jahrzehnten entstandenen überwältigenden Fülle an Arbeiten werden Arbeitsprozesse nachvollziehbar und technische Verfahren transparent. Aber erst in der im Zusammenspiel mit den räumlichen Gegebenheiten vorgenommenen künstlerischen Inszenierung entfalten die Arbeiten, vor allem die neueren, objekthaften, ihr jeweils spezifisches Wirkungsspektrum. …..</p>
<p>….. Bei fortschreitender Auseinandersetzung mit der Malerei, ihren Bestandteilen, mit dem Verhältnis von Farbe zum Malgrund und ihren Bezügen zu Bild-Träger und Bild-Format werden seine Entscheidungen immer deutlicher, bis sich Farbe und Träger verselbständigen und sich Farbe radikal als alleinige Materie im Raum behauptet und darin „erscheint“. Wer die Ausstellung „Laboranordnung“ im letzten Spätsommer im Ausstellungsraum des BBK in Osnabrück gesehen hat, konnte sich einen Eindruck von diesen radikalen Farb-Arbeiten machen.</p>
<p>Christoph Seidel mischt seine Farben zu zähfließenden Massen und verarbeitet sie so, dass Handschrift, verstanden als Körperbewegungen, im Zusammenspiel mit den Materialeigenschaften der Farbmassen richtungslos instabile Raumtotalitäten als dynamische Prozesse entstehen. Der freie Umgang mit Farbe meidet alle starren theoretischen Normen, bedeutet auch Ausdruck geistiger Freiheit.</p>
<p>Seit einiger Zeit wird die Farbe &#8211; Linie für Linie, Schicht für Schicht, Strang für Strang, in langwierigen, immer wieder dieselbe Bewegung wiederholenden, nahezu ritualhaften Prozessen getropft, gezogen, aufgebaut und allmählich zum realen Gegenstand im Raum – zu Raster, Gitter, undefinierbaren Verdichtungen, wird zu Rahmen, flachen Schalen, in die Höhe strebenden kegelförmigen Hohlformen und Gefäßen.</p>
<p>Es ist nur noch ein (kleiner und) folgerichtiger Schritt von den immer mehr zum Relief tendierenden Bildern zum deutlichen Ausbruch aus der Malerei. Er vollzieht sich nicht gewaltig, laut oder gar provokant wie bei Lucio Fontana und Robert Rauschenberg in ihrer Zeit. Die Kringel, Kreise, Spiralen, die eine deutliche Tendenz zu Kontrolle und Definition aufweisen, verlassen vielmehr die sichere und stabile Ordnung des an vier Seiten verankerten Kraftfeldes und stellen das Starre und Festgefügte ihrer Umgebung in Frage. Aus ihren alten Kontexten herausgelöst, erscheinen die expressiven Gerinnsel und Wirbel wie beruhigt und zu kleinen Raumgebilden geworden, die ihre nun eher meditativ-rituellen Handlungen zu verdankende Objektbildung zur Anschauung bringen und im Nachvollzug den Betrachter daran teilhaben lassen.</p>
<p>Darüber hinaus wird fast alles, was hilfreich für die Farb-Form-Gestaltung sein kann, in die Arbeitsprozesse einbezogen. Farbdosen und -töpfe, gefüllt mit überbordenden Farben und Malutensilien, an denen nach längerem Gebrauch die Farbe sich Schicht um Schicht abgelagert hat, scheinen sich wie von selbst in Kunstwerke zu verwandeln. Der Umgang mit Farbe wird zum plastischen Prozess.</p>
<p>Wir erleben aber – meiner Meinung nach &#8211; in der Kunst Christoph Seidels genauso gut noch etwas ganz anderes: wir erleben aus der Anschauung der neueren Arbeiten die Zerstörung alter „Bilder“ durch archetypische Zeichen und Gebärden als tief im Menschen veranlagte Urerfahrungen, wie sie als das „kollektive Unbewusste“ (Sigmund Freud) im Mythos oder Märchen auftauchen.</p>
<p>&#8212;<br />
<em>Helen Koriath ist Professorin für die Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart am Kunsthistorischen Institut der Universität Osnabrück</em></p>

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</div><p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2016/06/01/kunstpreis/">Verleihung des Kunstpreises 2016</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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		<title>Christoph Peter Seidels „Laboranordnung“ im Kunst-Quartier</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2015/08/28/kunst-quartier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2015 09:03:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Experimente aus dem Atelier</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2015/08/28/kunst-quartier/">Christoph Peter Seidels „Laboranordnung“ im Kunst-Quartier</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><p>Experimente aus dem Atelier<br />
<span id="more-2695"></span><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid oi_inner_paddings vc_custom_1456388522218"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>
<b>Osnabrück.</b> Christoph Peter Seidels Atelier ist wie ein künstlerisches Labor. Die faszinierenden Entdeckungen seiner Experimente zeigt er im Kunst-Quartier.</p>
<p>Mit Farben verbinden die meisten Menschen vermutlich Zweidimensionalität, das Mittel also, das auf Leinwänden Landschaften, Porträts oder abstrakte Kunst entstehen lässt. Christoph Peter Seidel dagegen macht aus Farbe dreidimensionale Objekte. Da sind im Kunst-Quartier des Bundes Bildender Künstler (BBK) etwa mehrere Zentimeter dicke Raster an den Wänden angebracht. Und von der Decke hängt ein „Kuchen“, wie Seidel ihn nennt, ein aus intuitiv geschichteten Farben bestehendes Objekt..</p>
<p>Drei Monate und mehrere Versuche hat der Künstler gebraucht, um letzteres Objekt zu kreieren. Schon allein das zeigt, dass seine Kunst kein endgültiges Ergebnis ist, sondern ein Prozess des Suchens und Findens. „Laboranordnung“ heißen die künstlerischen Experimente der Ausstellung deshalb konsequenterweise.</p>
<p>Das heißt aber nicht, dass wahllos zusammengestellte Bilder und Objekte zu sehen wären. Vielmehr wiederholen sich Strukturen wie Spiralen und Raster auf den Bildern und Objekten. Eins ist aus dem andern entstanden in diesem Suchprozess, der immer neue Entdeckungen an künstlerischen Möglichkeiten hervorgebracht hat.</p>
<p>Angefangen hat alles mit den Flecken. Bis dahin hatte Christoph Peter Seiler vor allem großformatige Installationen gemacht, Bilder, die er am Boden oder an der Decke anbrachte. Doch es fehlten ihm Räume für diese Arbeiten. Also begann er mit kleineren Arbeiten. Er experimentiert mit gemalten Flecken, aus denen zunächst kreisförmige und schließlich ovale Spiralen wurden.</p>
<p>Ovale ließen Richtungen entstehen, erklärt Christoph Peter Seidel, was ihn an dieser Form interessiert. Denn ihre Spitze lässt sich nach oben oder unten drehen. Das erste Ergebnis sind zwei großformatige Bilder, die 2012 entstanden sind. Es folgten Papierarbeiten, und schließlich entstanden statt Ovalen Raster.</p>
<p>Der Künstler war „selbst überrascht“, was er da plötzlich erschuf, waren es doch ganz andere Arbeiten als die, die er davor gemacht hatte. Mit etwas Abstand entdeckt er aber Gemeinsamkeiten zwischen Alt und Neu. Raster und Ovale gebe es auch in seinen älteren Arbeiten, erklärt er.</p>
<p>„Was mich interessiert, sind Licht, Raum und Zeit“, sagt Christoph Peter Seidel. Das alles spielt auch beim Betrachten eine Rolle. Die Illusion der Objekte verändert sich mit dem Standort des Betrachters.</p>
<p>Wie ein Objekt am Ende aussieht, wird auch vom Material bestimmt. So arbeitete Christoph Peter Seidel mit Doppelstegplatten, auf denen er Raster aus Farbe anbrachte. Eine solche Installation hängt im Kunst-Quartier von der Decke – nach unten gewendet. Die Farbe sei immer automatisch nach unten gekippt, berichtet Seidel. Also hängte er die Installation schließlich so auf, wie es das Material wollte.</p>
<p>Für Seidel selbst sind seine Arbeiten ein Schritt von der informellen zur konkreten Kunst. Die Arbeiten seien „ganz konkret das, was sie sind, und wollen nichts anderes behaupten“. Und auch wenn sie keine Wirklichkeit abbilden, drückten sie Wirklichkeit auf einer anderen Ebene aus. Das zeigt sich etwa darin, dass der Künstler sich innerlich strukturierte, während er an den Rastern arbeitete. Das ist die Verarbeitung einer komplex gewordenen Wirklichkeit.</p>
<p>&#8212;<br />
<em>Ein Artikel von Anne Reinert</em></p>
<p>Link: <a href="http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/610628/experimente-aus-dem-atelier#gallery&amp;0&amp;0&amp;610628" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/610628/experimente-aus-dem-atelier#gallery&amp;0&amp;0&amp;610628</a></p>

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</div><p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2015/08/28/kunst-quartier/">Christoph Peter Seidels „Laboranordnung“ im Kunst-Quartier</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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		<title>Einsamer Wanderer in der weiten Landschaft der Malerei</title>
		<link>https://christoph-peter-seidel.de/2010/09/29/einsamer-wanderer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[seidel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 14:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frag nach bei Caspar David Friedrich: Der Bad Iburger Künstler Christoph Seidel lotet Möglichkeiten der Landschaft neu aus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2010/09/29/einsamer-wanderer/">Einsamer Wanderer in der weiten Landschaft der Malerei</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><p>Frag nach bei Caspar David Friedrich: Der Bad Iburger Künstler Christoph Seidel lotet Möglichkeiten der Landschaft neu aus.</p>
<p><span id="more-2782"></span><div class="vc_row wpb_row vc_row-fluid oi_inner_paddings vc_custom_1456388522218"><div class="wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12"><div class="vc_column-inner"><div class="wpb_wrapper">
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			<p>&nbsp;</p>
<p><b>Liesborn.</b> In seinem berühmten Gemälde „Das Eismeer“ türmt der Romantiker Caspar David Friedrich 1823/24 scharfkantige Eisschollen zur Kathedrale eisiger Hoffnungslosigkeit auf. Im Packeis zerschellt alles: ein stolzer Segler als Zeichen politischen Aufbruchs, der Traum vom Künstlerruhm und die Gattung der Landschaftsmalerei, die in Friedrichs klirrend kaltem Bild an einen Extrempunkt gelangt.</p>
<p>2010 zerbricht der Bad Iburger Maler Christoph Seidel ein riesiges Landschaftsbild in scharfkantige Fragmente. 23 dreieckige Farbkörper arrangiert Seidel für seine Rauminstallation im Museum Abtei Liesborn bei Münster zu einem sieben mal vier Meter großen Malgelände. Mit ihren Brüchen und Kanten, Fugen und Ecken verkeilen sich die Bildkörper zu einem fragmentierten Terrain. Das Gemälde als installierte Landschaft einer Malerei jenseits der Malerei?</p>
<p>Der 1964 geborene Maler Christoph Seidel hat den Mut, seine Malerei mit dem unübersehbaren Zitat des legendären Motiv Friedrichs als Arbeit an Ehrfurcht gebietender Tradition auszuweisen. Der Rückgriff auf den Mythos der Romantiker von der Landschaft als Gleichnis einer endlosen und damit letztlich unbegreifbaren Natur definiert die Frage, die Seidel heute an die Malerei stellt: Wie kann sie überhaupt zum Medium von Naturerfahrung werden? Und wie zum Gleichnis des großen Ganzen?</p>
<p>Seidel antwortet auf diese Fragen mit einer auf ihren Ausstellungsort bezogenen Installation. In Liesborn findet er dafür ideale Bedingungen. An die Klosteranlage, die seit 1966 das kulturgeschichtliche Museum des Kreises Warendorf beherbergt, schließt sich ein mit grüner Glaskeramik ummantelter Ausstellungskubus an. Seine Raummaße bezieht er von einem wandfüllenden Gemälde des InformelKlassikers Fritz Winter (1905–1976). Ein Stockwerk tiefer antwortet nun der an der Akademie Münster ausgebildete Seidel auf Friedrich – und indirekt auch auf Fritz Winter. Seidel konfrontiert seine Bodenarbeit obendrein mit vier Gemälden des münsterländischen Landschaftsmalers Heinrich Schilking (1815–1895). Dessen Bergmotiven und Meereslandschaften setzt Seidel eindrucksvoll entgegen, was heute noch Landschaftsmalerei sein kann. Er zerbröselt die heile Welt des Genres, weitet das Motiv der Landschaft zur tendenziell unendlichen Malfläche. Auf Elemente aus Hartschaum schichtet Seidel Silikonfarbe, Dispersion, Acrylfarbe und Parkettlack zu plastisch aufliegendem Relief. Im Schütten, Spachteln, Tröpfeln eifert Seidel dem Dripping Jackson Pollocks nach. Verteilungen von Farbflecken und Formspuren erzeugen eine rhythmisch pulsierende Malstruktur – Variationen inbegriffen. Seidels Malerei bildet Landschaft nicht ab, sie ist selbst eine. Der Malprozess gerät zur Wanderung, die sich ihr Terrain im eigenen Fortgang selbst erschafft. Wie seine großen Vorbilder lotet Christoph Seidel das Wagnis einer Malerei von umfassendem Anspruch aus. Damit ist er denkbar unzeitgemäß. Relevante Beiträge zur Kunst waren dies jedoch schon immer – weil sie den Raum des Vorstellbaren aufsprengten.</p>
<p>Liesborn, Museum Abtei: Kontinuum: HeinrichSchilking – Christoph Seidel. Bis 24. Oktober. Di.–Fr., 9 – 12 Uhr, 14 – 17 Uhr,Sa., So., 14 – 17 Uhr</p>
<p>&#8212;<br />
<em>Ein Artikel von Stephan Lüddemann</em></p>

		</div>
	</div>
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</div><p>Der Beitrag <a href="https://christoph-peter-seidel.de/2010/09/29/einsamer-wanderer/">Einsamer Wanderer in der weiten Landschaft der Malerei</a> erschien zuerst auf <a href="https://christoph-peter-seidel.de">Christoph Peter Seidel | Künstler aus Hilter a.T.W.</a>.</p>
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